Third Culture Kids: Die richtige Unterstützung für junge Weltenbummler

Ihre Zahl steigt stetig: Kinder, die in unterschiedlichen Kulturkreisen heranwachsen. Was prägt Third Culture Kids und wie fördern Eltern sie am besten?

In Frankfurt geboren und für den Job des deutschen Vaters bis zu seinem 10. Lebensjahr in Marokko, Finnland und Schweden zu Hause: Alexander ist ein typisches Third Culture Kid (TCK). Ein Kind, das einen großen Teil seiner Entwicklungsjahre nicht im Kulturkreis der Eltern verbracht hat. Wie alle TCK hat er sich Elemente unterschiedlichster Kulturen zu eigen gemacht, fühlt sich aber in keiner Kultur ganz daheim.

 

Besondere Persönlichkeiten

TCK kennen unterschiedliche Weltanschauungen und Überzeugungen. Sie sind meist interessiert, selbstständig und selbstbewusst, verblüffen durch ihre Weitsichtigkeit, ihre Offenheit und Toleranz.

Gleichzeitig empfinden sie oft ein Gefühl der Rastlosigkeit. Häufige Umzüge erschweren tiefere Bindungen, wiederholte Abschiede führen dazu, dass einige TCK dazu übergehen, eher zögerlich neue Freundschaften zu schließen, um den potenziellen Trennungsschmerz im Falle eines erneuten Ortswechsels von vorneherein zu vermeiden.

 

So können Eltern TCK in Umbruchzeiten unterstützen

Je nach Altersstufe benötigen TCK die Unterstützung ihrer Eltern in unterschiedlicher Weise:

  • Babys:
    Säuglinge meistern einen Umzug in der Regel problemlos. Da sie sich jedoch sehr stark an der Befindlichkeit von Mutter und Vater orientieren, übertragen sich Stress und Anspannung der Eltern oft auch auf sie. Sorgen Sie daher vor allem gut für sich selbst. Behalten Sie zudem, wenn irgend möglich, den gewohnten Tagesrhythmus bei.
  • Kleinkinder:
    Kleinkinder im Alter bis zu drei Jahren bevorzugen im Allgemeinen Stabilität und verlässliche Routinen. Beides wird durch einen Umzug vorübergehend völlig über den Haufen geworfen. Daher empfinden sie Veränderungen meist als beängstigend. Je schneller es Ihnen gelingt, die gewohnten Routinen wieder einzuführen, desto besser für Ihr Kind.
  • Kindergarten- und Vorschulkinder:
    Kinder im Kindergarten- bzw. Vorschulalter spüren Aufregung oder Vorfreude der Eltern genau und beziehen die Reaktionen der Erwachsenen oft auf sich selbst: Sind Mutter oder Vater durch den Stress der Ausreisevorbereitungen gereizt, glauben sie, sie selbst seien dafür der Auslöser. Sprechen Sie daher frühzeitig über den bevorstehenden Umzug sprechen und erklären Sie, was an Veränderungen ansteht. Bilderbücher sind dabei eine große Hilfe. Kleine Aufgaben beim Packen geben Kindern das Gefühl, am Geschehen beteiligt zu sein.
  • Grundschulkinder:
    Kinder im Grundschulalter strecken ihre Fühler verstärkt auch außerhalb der Familie aus. Schule, Hobbys und Freunde haben in ihrem Alltag bereits eine große Bedeutung, sodass eine Trennung als sehr schmerzhaft erlebt wird. Gleichzeitig sind Neugier und Entdeckungsfreude in diesem Alter besonders groß. Das gibt Ihnen die Chance, Ihr Kind durch ein intensives Einbeziehen für das „Abenteuer Ausland“ zu begeistern. Reden Sie ausgiebig über das, was die Familie voraussichtlich erwarten wird. So können Sie die Ängste vor dem Unbekannten minimieren.
  • Teenager:
    Einige Teenager sehen einen Auslandsaufenthalt als großartige Chance, viele wehren sich vehement gegen einen Ortswechsel und unterstellen den Eltern, sie würden ihr Leben ruinieren. Ein Auslandsumzug behindert die Jugendlichen in ihrem altersgemäßen Streben nach Selbständigkeit. Sie sind zumindest in den ersten Monaten nach einem Umzug wieder sehr viel stärker von ihrer Familie abhängig, als ihnen lieb ist. Gut, wenn ein großer Teil der Wut und der Trauer verarbeitet werden kann, bevor der Teenager am neuen Wohnort ankommt. Eltern sollten hellhörig sein und immer wieder signalisieren, dass sie Trauer, Ängste und Wut verstehen ­ ohne die Dinge schön reden zu wollen, aber auch ohne übertriebenes schlechtes Gewissen. Gerade für Jugendliche ist es wichtig, sich in einer Clique Gleichaltriger akzeptiert zu fühlen. Versuchen Sie daher, im Vorfeld so viel wie möglich über das neue Lebensumfeld in Erfahrung zu bringen: Schule, Freizeitaktivitäten und auch die Art der angesagten Kleidung. Spendieren Sie für den Start in der neuen Schule eine dort angesagte Schultasche und/oder ein neues Outfit. Das hilft Ihrem Teenager, sich nicht wie von einem anderen Stern zu fühlen, und mehr als viele gut gemeinte Worte.

 

Zuversicht und Stabilität

Signalisieren Sie Ihren Kindern, dass Sie dem Leben im neuen Land positiv begegnen möchten. Es gilt, sich an den Vorteilen des mobilen Lebens zu erfreuen. Wichtig sind dabei Kontakte zu neuen Freunden und zur Expat-Community, die fern der Heimat durchaus Funktionen eines erweiterten Verwandtennetzes übernehmen können. Ideal ist es, wenn Sie für ihre Heimaturlaube über einen festen Ort verfügen, an den sie jedes Jahr zurückkehren. Auf diese Weise bekommen TCK das Gefühl, dass auch für sie so etwas wie eine unveränderliche Heimat existiert.

 

Weiterführende Informationen:
Artikel zur Identität von Third Culture Kids und das Gedicht „Colors“, das ihre Situation in eindringliche Worte kleidet:
http://expatchild.com

 

 

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