Terror und Anschläge: So helfen Expats ihren Kindern

Angesichts der aktuellen Ereignisse in München sehen sich Eltern vor der Aufgabe, ihren Kindern ein Geschehen zu erklären, das ihnen selbst großes Unbehagen bereitet. Pädagogen und Psychologen empfehlen altersgemäße Offenheit.

 

In Ausnahmesituationen wie der gegenwärtigen ist es besonders wichtig, Kinder ernst zu nehmen und sich ihren Fragen und Sorgen zu stellen. Gut gemeinte Beschwichtigungen der Eltern erreichen oft das Gegenteil: Die Kinder haben dann nicht nur das Gefühl, mit ihren Ängsten und ihrer Traurigkeit alleine zu bleiben, sondern fühlen sich unverstanden oder glauben, dass sie etwas falsch machen. Wichtig ist vor allem, dass Eltern ihren Kindern signalisieren, dass sie in allen Situationen immer für sie da sind.

 

Kinder reagieren unterschiedlich

Kinder reagieren sehr unterschiedlich auf angstauslösende Situationen. Manche möchten das Geschehen immer und immer wieder durchsprechen oder haben Einschlafstörungen oder Albträume. Andere zeigen überhaupt keine Reaktion und es scheint, als würden sie das alles gar nicht wahrnehmen. Doch das heißt nicht, dass sie nicht auch mit Fragen und Ängsten kämpfen. Erschrecken Sie auch nicht über vermeintlich rohe Sprüche von Teenagern. Es ist ihre Art, mit der Situation umzugehen.

 

Offenheit ist wichtig

Sprechen Sie mit Ihren Kindern über die Ereignisse. Versuchen Sie nicht, das Geschehen zu verschweigen. Aber ersparen Sie den Kindern schreckliche Details.

 

Seien Sie ehrlich

Antworten Sie auf die Fragen Ihrer Kinder ehrlich. Das bedeutet nicht, dass Sie alles wissen müssen. Ein ehrliches „Ich weiß es nicht“ ist bei schwierigen Fragen völlig in Ordnung. Für Ihre Kinder ist es vor allem wichtig, dass Sie glaubwürdig und authentisch sind.

 

Keine Überreaktionen

Bleiben Sie so ruhig, wie es Ihnen möglich ist. Vor allem jüngere Kinder orientieren sich weniger an Worten als an der Art, wie Eltern reagieren. Tränen der Trauer oder der Wut sind völlig legitim – aber allzu extreme Reaktionen provozieren Angst.

Leben Sie den Alltag wie gewohnt weiter und vermeiden Sie eine Dauerbeschallung durch Nachrichten im Radio oder TV. Es ist für die Kinder beruhigend, wenn sich in ihrem privaten Umfeld nichts ändert und vermittelt ihnen das Gefühl, dass ihnen persönlich keine Gefahr droht. Verbringen Sie möglichst viel Zeit als Familie miteinander.

 

Vorsicht Medien

Die Medien überschlagen sich angesichts der Ereignisse. Durch die ständige Wiederholung der immer gleichen Szenen graben sich die schrecklichen Bilder der Katastrophe ein. In den kommenden Tagen ist damit zu rechnen, dass mehr und mehr Details und Einzelschicksale in den Mittelpunkt der Berichterstattung rücken. Tun Sie Ihren Kindern den Gefallen und limitieren Sie die Zeit vor dem Fernseher oder im Internet. Und lassen Sie die Kinder nicht mit den entsetzlichen Bildern alleine.

 

Gefühle sind erlaubt

Geben Sie Ihren Kindern die Möglichkeit, sich selbst und ihre Gefühle auszudrücken. Schaffen Sie eine offene Gesprächsatmosphäre und hören Sie zu. Oder ermuntern Sie ihre Kinder, sich in Bildern, mit Knete oder Rollenspielen auszudrücken. Vor allem wichtig: Akzeptieren Sie die Gefühle ihrer Kinder und geben Sie ihnen die Sicherheit, dass ihre Empfindungen legitim sind.

 

Keine pauschalen Ängste

Es ist wichtig, dass Ihren Kindern bewusst ist, dass das aktuelle Geschehen in Belgien eine schreckliche Tragödie ist, die aber nicht bedeutet, dass nun mit einem Mal ihr ganzes Leben infrage steht. Viele Kinder haben vor allem Angst, dass ihrer Familie etwas zustößt. Seien Sie ehrlich: Erklären Sie, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Doch versichern Sie gleichzeitig, dass das Risiko, dass Ihnen und Ihrer Familie etwas zustößt, sehr gering ist.

 

Hoffnung geben und etwas tun

Wenn Sie mit Ihren Kindern über die Ereignisse sprechen, sollten Sie auch darüber reden, was alles getan wird, um den von den Anschlägen betroffenen Menschen zu helfen und was sich denken lässt, um Taten wie diese zu vermeiden. Es kann auch hilfreich sein, wenn Sie mit Ihren Kindern überlegen, was Sie selbst tun können. Zum Beispiel eine Kerze anzünden, eine Andacht besuchen oder alle auftauchenden Gedanken in einem Brief oder einem Bild ausdrücken.

 

Eltern in der Verantwortung

Viele Lehrer und Erzieher werden in den nächsten Tagen das Geschehen in Gesprächen mit den ihnen anvertrauten Kindern aufnehmen. Das ist wichtig, es kann aber die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern nur unterstützen und nicht ersetzen. Niemand ist Ihrem Kind so nahe wie Sie, niemand kennt es so gut wie Sie. Sie sind, nicht nur in dieser Situation, die wichtigsten Personen für Ihr Kind und können es am allerbesten dabei unterstützen, mit den aktuellen Eindrücken fertig zu werden.

 

Anregungen für Kinder, zusammengestellt von der Neuneinhalb-Redaktion des WDR:
http://neuneinhalb.wdr.de/sendungen/2016/07/schlechte_nachrichten_tipps.php5

Nachrichten in kindgerechter Sprache finden Sie unter:
www.nachrichtenfuerkinder.de
www.tivi.de/fernsehen/logo/start
www.blinde-kuh.de/aktuell

 

 

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