Top Expat-Destinations? Spannend sind die anderen!

Wien, Zürich, Auckland – in diesen Städten leben Expats nach einer aktuellen Untersuchung des Beratungsunternehmens Mercer am besten. Was aber, wenn der Chef nach Dushanbe, Daressalam oder Dhaka bittet? Ganz sicher gilt: Die innere Einstellung ist ein wesentlicher Faktor, um sich auch an schwierigen Einsatzorten wohlzufühlen.

 

„Als wir schließlich in unserer Werkswohnung ankamen, war ich fix und fertig und bereit, stehenden Fußes umzudrehen und wieder nach Hause zu fahren“! Die Amerikanerin Desi Downey, mit ihrem Mann Justin für drei Jahre in einen kleinen Ort in der chinesischen Provinz Sichuan entsandt, kämpft von der ersten Minute ihrer Ankunft an mit den Herausforderungen eines schwierigen Einsatzortes. In ihrem Buch „Ni howdy – An American Woman’s (Mal)Adaptation to Life in the People’s Republic of China“ beschreibt sie mit großer Offenheit ihren Kampf mit dem ungewohnten Klima, einer überbordenden Bürokratie, sprachlichen und kulturellen Missverständnissen – und mit der Einsamkeit: Das junge Paar wohnt weit entfernt von anderen Expats. Zum traurigen Höhepunkt ihres Unbehagens wird für Desi Downey einige Monate nach der Ankunft eine schwere Lungenentzündung, die mit einer Einweisung in das lokale Krankenhaus endet. Nach dieser Krise erwacht der Pioniergeist der Amerikanerin: Sie improvisiert, gewöhnt sich ein, beginnt als Englischdozentin zu arbeiten – und nach und nach scheint sich alles zu verändern: Sichuan wird zum Zuhause auf Zeit. Statt „stehenden Fußes umzudrehen“, verbringt Desi Downey schließlich sechs spannende und bereichernde Jahre in China.

 

Das Leben in einer fremden Kultur ist immer eine Herausforderung, doch an exotischeren Orten oder „Hardship-Posts“ gibt es häufig besondere Schwierigkeiten zu meistern. Oft fehlen hier die mit einer internationalen Expat-Gemeinde verbundenen Angebote und Rückzugsmöglichkeiten. Stattdessen bietet der fremde Alltag zu Anfang ein frustrierendes Erlebnis nach dem anderen für den Europäer, der sich mühsam zu arrangieren versucht. Nichts ist selbstverständlich, Dinge gehen schief oder entziehen sich der Kontrolle, vermeintliche Kleinigkeiten entpuppen sich als große Hindernisse. Schwer auszuhalten: Für die Kollegen oder Nachbarn vor Ort scheint die Welt in Ordnung. Sie können Frust und Irritationen des Expats nicht nachvollziehen.

 

Der Sog der Negativspirale

Schwierig wird es, wenn sich aus einem ersten Stimmungstief im neuen Land eine negative Spirale aus Ärger, Wut, Zynismus oder purer Ablehnung entwickelt. Verfestigen sich die Frustrationen, wird der Expat selbst sein größter Widersacher auf dem Weg zu einer gelingenden Zeit im Gastland. Die erfolgversprechendere Alternative: Wer akzeptiert, dass die Dinge einfach anders sind als bisher, tut einen wesentlichen Schritt, um sich trotz aller Widrigkeiten wohl zu fühlen. Denn diese Akzeptanz ist die Voraussetzung, um individuelle und konstruktive Wege zu finden, mit den unvermeidlichen Stolpersteinen fertig zu werden.

Drei Problembereiche führen dazu, dass Expatriates mit der gegebenen Situation hadern:

  • Innerer Widerstand statt Offenheit
    Banal, aber wahr: Wer sich dafür entscheidet, sich im Gastland nicht wohlfühlen zu wollen, der fühlt sich auch nicht wohl! Wer der Zeit im Ausland nicht offen und unvoreingenommen entgegen tritt, wird sich nicht einleben, sondern unbewusst viel daran setzen, dass sich sein negatives Bild der Entsendung bewahrheitet.
  • Der ständige Blick in die Vergangenheit
    Immer wieder zu grübeln, wie schön doch das Leben zu Hause war, ist eine denkbar ineffektive Art, um mit den Herausforderungen einer neuen Kultur fertig zu werden. Negative Vergleiche ziehen herunter – und beeinflussen auch Partner, Kinder und Kollegen.
  • Ausgepowert, weil die Unterstützung fehlt
    Desi Downey hat es in ihrem Buch sehr plastisch beschrieben: Der ständige und kräftezehrende Kampf, um die elementaren Dinge des Alltags zu bewältigen, äußert sich leicht in einer pauschalen Ablehnung von Land und Leuten: Die Chinesen unwillig und unzuverlässig, die Stadt ein Chaos und das Essen sowieso ungenießbar – derart überfordert konnte die Amerikanerin zumindest das erste Jahr in China nicht als Bereicherung empfinden.

 

Entscheidend ist die Einstellung

Keine Frage, es gibt sie, die wirklich schwierigen Entsendungsorte. Aber nicht immer ist der Ort das eigentliche Problem. Falls Sie gerade angestrengt versuchen, sich in einer ungewohnten Kultur zurechtzufinden, bleiben Sie geduldig und zuversichtlich: Sie haben es selbst in der Hand, wie Sie die Zeit im Ausland gestalten. Und Sie können mit Ihrer Einstellung sehr viel zu Ihrem Wohlbefinden beitragen.

Wenn wieder einmal gar nichts klappt, der Strom ausfällt, die Butter ranzig ist oder der Taxifahrer Sie über das Ohr gehauen hat:

  • Atmen Sie tief durch und überlegen Sie, wie Sie die Situation konstruktiv meistern können. Sie haben in der Vergangenheit in Ihrem Leben schließlich schon ganz andere Schwierigkeiten erfolgreich in den Griff bekommen!
  • Versuchen Sie in harten Zeiten bewusst, zu viele negative Gedanken in ihre Schranken zu verweisen. Reservieren Sie einige Minuten pro Tag oder einen festen Termin in der Woche für ihre persönlichen „Frustminuten“, in denen alles Negative ausgesprochen oder aufgeschrieben wird. Ist dieses Zeitfenster um, dann:
  • Konzentrieren Sie sich auf das Positive: Was ist gut an Ihrer neuen Lebenssituation? Welche Vorteile bietet Ihr neues Umfeld? Was können Sie hier tun, dass Ihnen in Deutschland nicht möglich war?
  • Machen Sie Pläne: Was möchten Sie am Ende dieser Auslandszeit für sich erreicht haben? Wie können Sie diese Pläne in die Realität umsetzen? Wer kann Sie unterstützen?

Vielleicht schaffen Sie es auch, über kuriose Erlebnisse und Missgeschicke ab und an einfach herzhaft zu lachen? Humor nimmt den Widrigkeiten die Schärfe und eine offene, positive Grundhaltung ist die beste Voraussetzung, dass Beste aus Ihrer Auslandszeit zu machen!

 

Hier erfahren Sie mehr zum Thema:

Ni howdy! – Das Buch von Desi Downey

In China – Comic von Sascha Hommer

Mercer-Studie – City Ranking

 

Hatten Sie mit einer schwierigen Phase im Ausland zu kämpfen? Was hat es leichter gemacht? Teilen Sie Tipps und Erfahrungen im Kommentarfeld!

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