Wenn es nicht rund läuft: Erste Hilfe für Expats

Startschwierigkeiten, Stress oder Probleme in Partnerschaft und Familie – nicht immer entwickelt sich das Auslandsleben so wie erwartet. Was tun, wenn der Traum zum Alptraum wird?

 

Der Schritt ins Ausland ist kein Umzug wie jeder andere. Als Expat stellen Sie Ihr bisheriges Leben auf den Kopf und lassen Freunde, Familie, Sprache, Kultur, Wohnung vieles andere zurück. Die neue Umgebung mit ihrem ungewohnten Klima, den unbekannten Geräuschen und Gerüchen und die Anforderungen eines Alltags jenseits Ihrer vertrauten Routinen fordern von ihnen unzählige anstrengende und teilweise auch sehr tiefgehende Anpassungsleistungen.

Ganz gleich, wie sehr Sie sich auf Ihr neues Leben freuen oder wie oft Sie bereits die Umzugscontainer für den nächsten Auslandsumzug gepackt haben: Jeder Umzug ist ein Kraftakt und es wird schwierige Phasen geben. Wenn Sie dies anerkennen, haben Sie bereits einen wichtigen Schritt getan, um mit auftauchenden Problemen konstruktiv umzugehen. Was hilft noch?

 

Den eigenen Weg gehen

Ratgeber, Blogs und Websites, interkulturelle Trainer oder erfahrene Expats: Sie alle halten gute und oft hilfreiche Tipps für den Start im Ausland für Sie bereit. Doch Menschen sind unterschiedlich und es gibt keine Strategie, die für alle gleichermaßen passt. Der eine fühlt sich dann am wohlsten, wenn er so weit wie möglich in die Kultur des Gastlandes eintaucht, der andere sucht vor allem den Kontakt zu anderen Expats und fühlt sich beim deutschen Stammtisch wohl, ein dritter braucht vor allem in der Anfangszeit zunächst einmal besonders viel Zeit für sich. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich in einer neuen Umgebung einzufinden und der beste Weg ist Ihr ganz persönlicher!

 

Wenn Dinge schief laufen

Die meisten Expats gehen selbstbewusst, gut informiert und gerne ins Ausland. Sie sind gewohnt, ihr Leben in die Hand zu nehmen und wissen, dass mit dem Auslandumzug Anstrengungen auf sie warten. „Ärmel hochkrempeln und los“ lautet eine weit verbreitete Grundhaltung bei Entsandten und tauchen Schwierigkeiten auf, heißt die Devise häufig „Augen zu und durch“. Grundsätzlich ist diese Einstellung hilfreich, aber es gibt Zeiten, in denen das Zähne zusammenbeißen und weitermachen kontraproduktiv werden kann. Das gilt vor allem dann, wenn auftauchende Probleme länger anhalten und sich Ängste, depressive Verstimmungen oder übermäßiger Konsum von Alkohol, Medikamenten oder Drogen entwickeln.

 

Die 100 Tage-Regel

Doch welche Alternative gibt es zum einfach weitermachen? Freunde und Angehörige sind weit weg und ein sich Aussprechen oder Rat holen kaum oder gar nicht möglich. Die 100 Tage-Regel kann hier eine erste Orientierung geben. Sie sind gerade umgezogen und die auftauchenden Schwierigkeiten sind noch keine drei Monate alt? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie auf die Anstrengungen des Umzugs zurückzuführen sind. Der Neustart in einem anderen Land ist ein großer Schritt und die Anpassung braucht Zeit. Drei Monate sind ein Zeitraum, den Sie sich und Ihrer Familie zugestehen sollten, um sich einigermaßen wohl zu fühlen.Taucht Ihr Problem aber erst nach einigen Monaten überhaupt auf, sollten Sie es nicht einfach auf den Ortswechsel schieben, sondern sich Folgendes fragen:

  • Wie gravierend ist die Situation?
    Sich ab und an einmal schlecht zu fühlen, ist okay. Und wer weit weg von Freunden und Familie lebt, wird immer wieder einmal Sehnsucht und Heimweh spüren. Auch das ist normal. Doch wenn Ihnen nichts mehr wirklich Freude bereitet, das Lachen aus Ihrem Leben verschwunden ist oder Sie sich auch für Alltagsdinge nur noch schwer motivieren können, liegen die Dinge anders.
  • Was genau belastet mich?
    Vorsicht ist vor allem bei folgenden Anzeichen geboten: Starke Ängste oder gar Panik, langanhaltende Schlafstörungen, tiefe Traurigkeit oder ein deutlich angestiegener Konsum von Alkohol sollte Sie handeln lassen. Ein weiteres – und in Expat-Communities leider nicht seltenes – Alarmsignal ist Untreue. Das Gefühl von Einsamkeit, Stress und die Möglichkeiten, die sich vor allem in Asien und Osteuropa bieten, tragen dazu bei, dass Dritte in Beziehungen eindringen und Paare sich entfremden.

Aktiv werden und Hilfe suchen

Sobald Sie das Gefühl haben, dass Dinge über längere Zeit hinweg schief laufen, sollten Sie nicht länger still leiden, sondern aktiv werden! Jenseits der 100 Tage-Regel gilt grundsätzlich, dass nichts dadurch besser wird, wenn man abwartet und erträgt.

Natürlich ist es weit weg von den vertrauten Menschen und in einem Land mit einer fremden Kultur, einer neuen Sprache und einem eventuell nicht gut ausgebauten System an Unterstützungsmöglichkeiten oft schwer, Hilfe zu finden. Doch es gibt immer einen Weg!

  • Ängste, depressive Verstimmung oder Panikattacken:
    Sie wissen nicht, an wen Sie sich wenden können? Die deutsche Botschaft, das Konsulat, deutsche oder internationale Schulen und Expat-Clubs haben in der Regel Listen mit Ärzten oder Ansprechpartnern. Auch die Deutsche Lufthansa verfügt über ein Vertragsärztenetz. Englischsprachige Therapeuten an Entsendeorten sind in diesem Verzeichnis gelistet. In akuten Fällen bietet auch die Telefonseesorge Hilfe und Online-Beratung an.
  • Probleme in Partnerschaft und Ehe:
    Auch hier gilt: Es ist gut, bei einem neutralen Dritten Unterstützung zu suchen. Wenn es vor Ort nicht möglich ist, qualifizierte Beratung zu erhalten, kann eine Online-Beratung weiterhelfen. Seit 20 Jahren erprobt ist das von der Uni Göttingen entwickelte Angebot Theratalk. Aber auch andere Einrichtungen haben Angebote, die per Mail oder Video-Chat genutzt werden können.
  • Alkohol, Tabletten oder Drogen:
    Sie haben den Verdacht, dass Sie mehr konsumieren, als Ihnen gut tut? Dann sollte Sie der erste Schritt zu einem Arzt führen. Er kann mit Ihnen klären, welche Hilfestellung nötig und möglich ist. An erstaunlich vielen Entsendungsorten gibt es entsprechende Selbsthilfegruppen, auch Online-Angebote sind verfügbar. Eventuell kann es auch notwendig sein, sich für eine gewisse Zeit in einer Klinik behandeln zu lassen.

Es gibt viele Möglichkeiten, Hilfe zu finden. Still leiden und auf Besserung hoffen ist die denkbar schlechteste Alternative. Werden Sie eher früher als später aktiv und seien Sie sicher: So wie Sie auch bisher alle auftauchenden Probleme in Ihrem Leben in den Griff bekommen haben, wird Ihnen das auch während Ihrer Auslandszeit gelingen.

 

 

Wie haben Sie schwierige Zeiten im Ausland gemeistert? Wo fanden Sie Hilfe?  Unser Kommentarfeld weiter unten wartet auf Ihren Beitrag!

Sie suchen noch mehr Anregungen und hilfreiche Ideen, wie Ihr Expatleben gelingt? Lesen Sie mehr im Going Global E-Book „Im Ausland zuhause“ oder vereinbaren Sie ein Gespräch! Hier geht es zu unserem Coaching-Angebot.

Going-Global-E-Book-Im-Ausland-zuhause

Im Ausland zuhause

Sie sind gut in Ihrem Gastland angekommen und genießen Ihr Leben als Expat? Gleichzeitig spüren Sie immer wieder, dass der Alltag zwischen zwei Welten seine ganz eigenen Herausforderungen hat? Im Job ebenso wie in Partnerschaft, Familie und Freundeskreis? Dieses E-Book unterstützt Sie dabei, die Jahre als Expat ganz bewusst zu gestalten. Für die beste Zeit Ihres Lebens!

Zum E-Book >