Entsendungsmanagement: Partner und Familie gehören mit ins Boot

International Assignments sind teuer und bergen Risiken. Scheitern Entsendungen, liegen die Gründe zu oft im familiären Umfeld des Expats. Unerlässlich ist daher für ein erfolgreiches Entsendungsmanagement, mitausreisenden Partnern und Kindern genügend Aufmerksamkeit zu schenken.

Die optimale Gestaltung einer Auslandsentsendung gleicht dem berühmten Versuch der Quadratur des Kreises. Entsendende Dienststelle, HR, lokales Management im Ausland und Expatriate – sie alle haben unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen. Leicht übersehen sie dabei einen Schlüsselfaktor für das Gelingen eines Auslandseinsatzes: die mitausreisende Familie.

Wenn Firmen eine Familie ins Ausland entsenden, schlagen sie damit auch ein neues Kapitel in der Beziehung zu ihrem Mitarbeiter auf. Solange ein Arbeitsverhältnis im Inland besteht, konzentrieren sich die Aktivitäten des Arbeitgebers im Wesentlichen auf den Angestellten selbst. Steht jedoch eine Entsendung an, kommt die Familie verstärkt ins Spiel. Ob es nun um Wohnung, Kindergarten, Schule, Krankenversicherung oder die Karriere des mitausreisenden Partners geht: Fragen und Entscheidungen, die traditionell in die Privatsphäre des Mitarbeiters fallen, werden von nun an auch durch das Unternehmen beeinflusst. Ganz gleich, ob das Mitarbeitern und Unternehmen gefällt oder nicht. Aus der vertrauten Beziehung „Arbeitgeber – Arbeitnehmer“ wird ein Beziehungsdreieck, das die Mitausreisenden von Anfang an mit einbeziehen muss, um wirklich erfolgreich zu sein.

 

Weltweit ähnliche Fragen

Zwei große Studien haben das Thema bisher näher beleuchtet. Für ihre Untersuchung „Family Matters!“ befrage die Kanadierin Robin Pascoe im Jahr 2008 656 Teilnehmer mit Auslanderfahrung aus 62 Ländern. Yvonne McNulty, die seit vielen Jahren zum Thema Entsendungen forscht, interviewte im Jahr 2012 für Ihre Untersuchung „Being dumped in to sink or swim’: an empirical study of organizational support for the trailing spouse“ 264 mitausgereiste Partner und Partnerinnen aus 54 Ländern.

Auf die Frage, wie Unternehmen den mitausreisenden Familienangehörigen helfen können, die Auslandsjahre positiv zu gestalten, kristallisierten sich vor allem folgende Punkte heraus:

 

Optionen für Dual Career Paare

Das Thema, das Expats vor allem beschäftigt, ist die Frage nach Karrieremöglichkeiten für den mitausreisenden Partner. Immer wieder scheitern Entsendungen an diesem Punkt. Sprachkurse, Karriereberatung, Jobcoaching, Unterstützung bei der Erlangung einer Arbeitserlaubnis und die Hilfe durch bestehende Kontakte des Unternehmen helfen dem mitausreisenden Partner, seine Karrierewünsche mit den Erfordernissen der Auslandszeit in Einklang zu bringen.

 

Unterstützung beim Einleben

Als fast ebenso wichtige Hilfestellung wünschen sich fast zwei Drittel aller Befragten vom entsendenden Unternehmen mehr Unterstützung beim Einleben vor Ort und eine Anlaufstelle für alle auftretenden Fragen, die sich aus dem Auslandsalltag ergeben. Hilfestellung durch ein Patensystem, eine Relocation Agentur, ein Onlineportal oder eine Hotline erleichtert den Neustart und sollte nicht auf die ersten Wochen begrenzt sein, in denen viele Expats noch viel zu beschäftigt sind, um die Angebote zu nutzen.

 

Anerkennung

Weit oben auf der Prioritätenliste steht auch der Wunsch nach Anerkennung durch die entsendende Organisation für die entscheidende Rolle, die dem mitausreisenden Partner im Rahmen der Entsendung zukommt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit für Entsendungsrichtlinien, die sich nicht ausschließlich am Expatriate selbst orientieren, sondern die Bedürfnisse der begleitenden Familie berücksichtigen.

 

Offene Kommunikation

Für dringend erforderlich hält die Mehrheit der Befragten schließlich eine bessere und direkte Kommunikation zwischen Unternehmen und mitausreisendem Partner, mit klaren Aussagen des Unternehmens zu Unterstützungsmöglichkeiten (Karriereberatung, Sprachkurse, interkulturelles Training, etc.), die in Anspruch genommen werden können. Offensichtlich gibt es im „Beziehungsdreieck“ Unternehmen-Expat-Partner noch viel zu häufig die Situation, dass alle mit dem Transfer verbundenen Informationen und praktischen Fragen ausschließlich zwischen Expatriate und Unternehmen geklärt werden.

Eine vorausschauende und familienorientierte Entsendungspolitik ist keine Einbahnstraße. Damit Auslandsentsendungen für engagierte und kompetente Mitarbeiter eine interessante Option bleiben, werden Unternehmen in Zukunft aktiver und individueller auf die Bedürfnisse der mitausreisenden Familie eingehen müssen. Doch das Engagement lohnt: Es winken Entsendungen, die erfolgreich verlaufen und ein Unternehmensklima, in dem Mobilität als Chance und nicht als Belastung gesehen wird.

 

Weitere Informationen:

Studie „Family Matters“ von Robin Pascoe

Studie „Being dumped in to sink or swim’: an empirical study of organizational support for the trailing spouse“ von Yvonne McNulty

Website der Organisation „Families in Global Transition“

 

Welche Unterstützung hätten Sie sich gewünscht? Wie unterstützen Sie als Unternehmen Ihre Expats und deren Partner?  Teilen Sie Ihre Tipps!

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